Der ÖFB-Cup ist der nationale Pokalwettbewerb des österreichischen Fußballs und wird vom Österreichischen Fußballbund (ÖFB) organisiert. In jeder Saison treten dabei Klubs aus allen Spielklassen gegeneinander an – von den Profiteams der Bundesliga und der 2. Liga bis hin zu kleinen Amateurvereinen aus den Landes- und Gebietsligen. Damit bietet der Wettbewerb etwas, das im ligainternen Spielbetrieb unmöglich ist: die direkte Begegnung von Profi und Amateur, von Rekordmeister und Dorfklub. Für viele kleinere Vereine ist das Cupspiel gegen ein Bundesligateam das sportliche Highlight der gesamten Saison.
Geschichte des Wettbewerbs
Erstmals ausgetragen wurde der österreichische Cup in der Saison 1918/19. Damit zählt er zu den ältesten Pokalwettbewerben des europäischen Fußballs und blickt auf eine lange Tradition zurück. Der Spielbetrieb wurde im Laufe der Jahrzehnte mehrfach unterbrochen, etwa während der Kriegsjahre, doch seit seiner Wiedereinführung hat sich der Cup als fester Bestandteil der österreichischen Fußballsaison etabliert.
Wie in vielen Ländern üblich, trägt der Wettbewerb seinen offiziellen Namen in der Regel gemeinsam mit einem Namenssponsor. Zuletzt lief er unter der Bezeichnung UNIQA ÖFB-Cup, in den Medien und bei den Fans hat sich jedoch schlicht der Begriff „Cup" oder „ÖFB-Cup" durchgesetzt.
Modus und Teilnehmerfeld
Der ÖFB-Cup wird im klassischen K.-o.-System ausgetragen: Wer verliert, ist raus; wer gewinnt, steht eine Runde weiter. Jede Begegnung wird in einem einzigen Spiel entschieden. An der ersten Runde nehmen 64 Mannschaften teil. Das Teilnehmerfeld setzt sich zusammen aus den Klubs der Bundesliga und der 2. Liga, Vertretern aus den Regionalligen und tieferen Spielklassen sowie den Siegern der neun Landes-Cups, in denen sich die Amateurklubs der Bundesländer qualifizieren.
Für die erste Runde gilt eine wichtige Regel: Profiklubs aus der Bundesliga und der 2. Liga können nicht aufeinandertreffen. Stattdessen wird jedem Profiteam ein Gegner aus dem Amateurbereich zugelost. Trifft ein Amateurklub auf einen Profiklub, erhält in der Regel der unterklassige Verein das Heimrecht – eine Regelung, die für besondere Cup-Atmosphäre auf kleinen Plätzen sorgt und den Unterklubs finanziell wie sportlich eine Chance eröffnet. Ab den folgenden Runden werden die Paarungen frei ausgelost.
Eine Besonderheit des ÖFB-Cups betrifft die Spielentscheidung: Steht es nach 90 Minuten Unentschieden, folgt direkt das Elfmeterschießen. Eine Verlängerung gibt es im Wettbewerb nicht. Das hält die Belastung für die Teams geringer und sorgt zusätzlich dafür, dass auch favorisierte Mannschaften früh ausscheiden können, wenn sie an einem guten Tag an einem starken Torhüter oder einem kaltschnäuzigen Amateurschießen scheitern.
Finale und internationale Startplätze
Das Endspiel des ÖFB-Cups wurde über lange Zeit überwiegend im Wiener Ernst-Happel-Stadion ausgetragen, dem größten Stadion Österreichs. In den letzten Jahren fanden die Finalpartien zudem an anderen neutralen Spielorten statt, unter anderem in Klagenfurt. Der Termin liegt im Frühjahr, gegen Saisonende.
Der Cupsieger sichert sich neben dem Titel auch einen internationalen Startplatz: Er qualifiziert sich für die Qualifikation zu einem europäischen Klubwettbewerb, aktuell zur UEFA Conference League. Damit ist der Cup für Vereine, die in der Meisterschaft nicht um die Europaplatze mitspielen können, die zweite Route auf die internationale Bühne. Historisch nahmen die österreichischen Cupsieger am Europapokal der Pokalsieger teil, der 1999 abgeschafft wurde; danach folgten UEFA-Pokal und Europa League. Gewinnt ein Verein sowohl Meisterschaft als auch Cup und damit das Double, rückt ein weiterer Klub über die Meisterwertung der Bundesliga in den europäischen Wettbewerb nach.
Rekordsieger und prägende Vereine
Mit 27 Titeln ist der FK Austria Wien unangefochtener Rekordcupsieger des Landes. Der Klub aus der Hauptstadt prägte den Wettbewerb über Jahrzehnte und stellte mehrfach Serien auf. Auf dem zweiten Platz folgt der SK Rapid Wien mit 14 Erfolgen, der den Cup ebenfalls mehrfach in Folge gewinnen konnte. Auch der SK Sturm Graz aus der Steiermark gehört mit sieben Titeln zu den erfolgreichsten Vereinen des Wettbewerbs und feierte 2023 und 2024 zwei Erfolge in Folge.
In den 2010er- und frühen 2020er-Jahren dominierte der FC Red Bull Salzburg den Wettbewerb mit mehreren Titeln, häufig in Serie. Im Jahr 2025 sorgte hingegen der Wolfsberger AC für eine historische Premiere: Der Kärntner Klub holte erstmals in seiner Vereinsgeschichte den Cup und zeigte damit, dass auch Vereine abseits der großen Hauptstadtclubs den Titel gewinnen können.
Pokalüberraschungen und die Rolle der Amateurklubs
Der Reiz des ÖFB-Cups liegt wesentlich in seiner Offenheit. Weil unterklassige Vereine gegen Profiteams Heimrecht genießen und Begegnungen nach 90 Minuten direkt per Elfmeterschießen entschieden werden, entstehen immer wieder Überraschungen, in denen Favoriten an Außenseitern scheitern. Für die Amateurklubs bedeuten diese Spiele weit mehr als ein sportliches Ereignis: Die Einnahmen aus einem Heimspiel gegen ein Bundesligateam können für einen kleinen Verein eine spürbare finanzielle Entlastung darstellen, und die mediale Aufmerksamkeit bringt den Vereinen über die Region hinaus Bekanntheit.
Die Landes-Cups der neun Bundesländer spielen dabei eine zentrale Rolle. Sie geben auch Klubs aus den untersten Ligen eine realistische Chance, sich für den ÖFB-Cup zu qualifizieren – der Weg führt über den eigenen Verband, nicht über Tabellenplätze in Profiligen. Auf diese Weise ist das Teilnehmerfeld des Cups jedes Jahr breit gestreut, von Landeshauptstadtvereinen bis zu Dorfteams.
Termine, Übertragung und Tickets
Die erste Runde des ÖFB-Cups findet traditionell zu Beginn der Saison im Sommer statt, meist im Juli. Die weiteren Runden werden während der laufenden Meisterschaft an Spieltagen unter der Woche ausgetragen, das Finale bildet im Frühjahr den Abschluss. Wer die Partien verfolgen möchte, findet ausgewählte Spiele im Fernsehen und im Stream – der ORF überträgt regelmäßig Begegnungen des Wettbewerbs, in der Regel auch das Finale. Dazu kommen Berichterstattung und Zusammenfassungen in den Sportnachrichten.
Karten für die einzelnen Runden gibt es über die jeweils ausrichtenden Vereine, deren Vorverkaufswege auf den Vereinsseiten bekannt gegeben werden. Für das Endspiel vergibt der ÖFB Kontingente an die beteiligten Klubs, zudem stehen in der Regel auch Karten für neutrale Fans zur Verfügung. Da Cupspiele unter der Woche stattfinden, lohnt sich für Zuschauer eine rechtzeitige Planung der Anreise, besonders bei Auswärtsspielen in anderen Landesteilen.
Warum der Cup eine eigene Bedeutung hat
Neben Meisterschaft und Europacup-Qualifikation bietet der ÖFB-Cup etwas, das der ligainterne Spielbetrieb nicht hergibt: die Möglichkeit, gegen Gegner aus völlig anderen Welten des Fußballs zu spielen. Für Profiklubs ist der Wettbewerb eine realistische Chance auf einen Titel und einen internationalen Startplatz, auch wenn die Meisterschaft bereits entschieden scheint. Für Amateurklubs ist er die Bühne, auf der ein einzelnes Spiel die Saison krönen kann. Diese Spannung zwischen Tradition und Überraschung, zwischen Ernst-Happel-Stadion und Dorfplatz, macht den ÖFB-Cup zu einem Wettbewerb mit eigenem Charakter – und zu einem festen Bestandteil des österreichischen Fußballjahres, dessen Geschichte weit über hundert Jahre zurückreicht.
ÖFB-Cup: Alles Wichtige zum österreichischen Fußballpokal
Source: HotArticle
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