Das Erste ist das zentrale Gemeinschaftsprogramm der ARD und einer der bekanntesten Fernsehsender Deutschlands. Wer den Namen hört, denkt vermutlich zuerst an die Tagesschau um 20 Uhr, an den Sonntagskrimi oder an große Sportübertragungen. Doch hinter dem Sender steckt mehr: eine lange Geschichte, ein besonderes Produktionsmodell und ein öffentlicher Auftrag, der den Sender von privaten Anbietern unterscheidet. Dieser Artikel erklärt, was Das Erste ausmacht, wie das Programm aufgebaut ist und welche Wege es heute gibt, den Sender zu empfangen.
Was ist Das Erste?
Das Erste ist das nationale Vollprogramm der ARD, der Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten in Deutschland. Anders als ein klassischer Sender mit eigener Redaktion entsteht das Programm gemeinsam: Neun Landesrundfunkanstalten – darunter der WDR, der BR, der NDR und der SWR – produzieren im Wechsel Anteile des Gemeinschaftsprogramms. Jede Anstalt trägt zudem mit ihrer regionalen Prägung zum Angebot bei, etwa bei Tatort-Krimis, die jeweils von einer anderen Anstalt verantwortet werden.
Das Erste ist ein Vollprogramm und rund um die Uhr auf Sendung. Das Spektrum reicht von Nachrichten und Politik über Sport, Filme und Serien bis zu Dokumentationen, Kultur- und Unterhaltungsformaten. Finanziert wird der Sender nicht durch Werbung im üblichen Umfang, sondern über den Rundfunkbeitrag, der von allen Haushalten in Deutschland entrichtet wird. Werbung gibt es nur in begrenztem Umfang und nicht an Sonn- und Feiertagen.
Von „Deutschem Fernsehen" zu „Das Erste"
Die Wurzeln des Senders reichen in die Frühzeit des deutschen Fernsehens zurück. Die ARD wurde 1950 als Zusammenschluss der Landesrundfunkanstalten gegründet; ab 1954 sendete das gemeinsame Fernsehprogramm, das zunächst unter dem Namen „Deutsches Fernsehen" lief. 1984 erhielt es die Bezeichnung „Erstes Deutsches Fernsehen", bevor der Sender 1996 unter dem heutigen Namen „Das Erste" auftrat – zusammen mit dem markanten blauen Logo, das bis heute unverwechselbar ist.
In den Jahrzehnten seines Bestehens begleitete der Sender die Entwicklung der Bundesrepublik mit: von den ersten Fernsehnachrichten über die Berichterstattung zu gesellschaftlichen Umbrüchen bis zur Live-Übertragung großer Ereignisse. Viele Formate, die heute zum festen Bestandteil des Programms gehören, entstehen seit vielen Jahren und haben Kultstatus erreicht.
Das Programm im Überblick
Nachrichten bilden das Rückgrat von Das Erste. Die Tagesschau, die seit 1952 existiert, gilt als eine der traditionsreichsten Nachrichtensendungen im deutschen Fernsehen. Die Hauptausgabe um 20 Uhr gehört zu den meistgesehenen Nachrichtensendungen des Landes und ist für viele Zuschauer ein fester Tagespunkt. Ergänzt wird das Nachrichtenangebot durch die Tagesthemen am Abend, das Nachtmagazin, das Morgenmagazin am frühen Vormorgen sowie das Boulevardmagazin Brisant.
Im Sportbereich ist vor allem die Sportschau eine feste Größe, die samstags die Zusammenfassungen der Bundesliga-Spiele zeigt. Große Ereignisse wie Fußball-Weltmeisterschaften, Europameisterschaften oder Olympische Spiele überträgt Das Erste im Wechsel mit dem ZDF, dem zweiten öffentlich-rechtlichen Vollprogramm.
Ein weiteres Aushängeschild ist der Tatort. Die Krimireihe läuft seit 1970 sonntagabends und wird von den verschiedenen ARD-Anstalten sowie seit einigen Jahren auch von ORF und SRF mitproduziert. Mit unterschiedlichen Ermittlerteams aus verschiedenen Städten und Regionen ist der Tatort eine der langlebigsten und erfolgreichsten Krimireihen im deutschen Fernsehen.
Dazu kommen Fernsehfilme und Serien wie die Telenovela Sturm der Liebe, große Show- und Quizformate, politische Talkshows am Sonntagabend, Dokumentationsreihen sowie Beiträge zu Kultur, Geschichte und Wissenschaft. Das Programm zielt bewusst auf ein breites Publikum – ein Merkmal, das sich aus dem öffentlichen Auftrag des Senders ergibt.
Empfang: So läuft Das Erste
Das Erste ist in ganz Deutschland und darüber hinaus frei empfangbar, ohne verschlüsselt zu sein. Es gibt im Wesentlichen vier Empfangswege:
- Antenne: Über DVB-T2 HD ist der Sender in vielen Regionen Deutschlands in HD-Qualität empfangbar, etwa über Zimmerantennen oder Außenantennen.
- Satellit: Per DVB-S2 über Astra empfangen Millionen Haushalte Das Erste unverschlüsselt in HD.
- Kabel: Nahezu alle Kabelnetze führen den Sender im Grundangebot.
- IPTV: Internetanbieter übernehmen Das Erste in ihr Fernsehangebot.
Welcher Weg der passende ist, hängt vom Wohnort und der vorhandenen Technik ab. Wer bereits Fernsehen über Satellit, Kabel oder IPTV nutzt, findet Das Erste in der Regel auf einem der ersten Programmplätze.
Live-Stream und ARD Mediathek
Neben dem klassischen Empfang lässt sich Das Erste vollständig im Internet verfolgen. Auf der Website des Senders sowie in der ARD-Mediathek-App läuft ein kostenloser Live-Stream, der das laufende Programm in Echtzeit zeigt. Ein Account ist dafür nicht erforderlich.
Die ARD Mediathek ergänzt das lineare Programm um ein umfangreiches Abrufangebot. Verpasste Sendungen stehen dort in der Regel nach der Ausstrahlung zur Verfügung, viele Inhalte bleiben deutlich länger abrufbar. Neben ganzen Sendungen gibt es auch kurze Formate wie die Tagesschau in 100 Sekunden, Hintergrundbeiträge, Clips und Podcasts. Untertitel und weitere Funktionen zur Barrierefreiheit machen das Angebot für unterschiedlichste Zielgruppen nutzbar. Auch Smart-TVs, Streaming-Sticks, Smartphones und Tablets werden unterstützt, sodass sich Das Erste flexibel auf verschiedenen Geräten schauen lässt.
Finanzierung und öffentlicher Auftrag
Die Finanzierung über den Rundfunkbeitrag – derzeit 18,36 Euro pro Monat und Haushalt – ist eng mit dem Auftrag des Senders verbunden. Öffentlich-rechtliche Programme sollen umfassend informieren, bilden, beraten und unterhalten. Dazu gehört auch die Berichterstattung über Themen, die kommerziell weniger attraktiv sind, etwa ausführliche Regional- und Auslandsberichterstattung, Kulturformate oder Kinderprogramme.
Weil der Sender aus Gebühren finanziert wird, gibt es kein klassisches Werbefernsehen mit Werbeunterbrechungen in Sendungen. Werbung erscheint nur zwischen Programmen und unterliegt strengen Regeln. Das unterscheidet das Seherlebnis deutlich von privaten Sendern und wird von vielen Zuschauern als Vorteil empfunden.
Die Rolle des Senders in der deutschen Medienlandschaft
Zusammen mit dem ZDF und den Dritten Programmen der Landesrundfunkanstalten bildet Das Erste das Rückgrat des öffentlich-rechtlichen Fernsehens in Deutschland. Während die Dritten Programme wie der WDR oder der BR vor allem regionale Inhalte bieten, richtet sich Das Erste mit einem bundesweiten Profil an das gesamte Publikum. Digitale Schwesterangebote wie Tagesschau24 oder One ergänzen das Angebot im Pay-TV-freien Bereich.
Trotz veränderter Sehgewohnheiten und wachsender Konkurrenz durch Streamingdienste behält der Sender eine wichtige Funktion: Er bietet werbefreie Nachrichten, große Live-Ereignisse und ein Programm, das unabhängig von kommerziellen Interessen zusammengestellt wird. Gleichzeitig hat sich der Sender mit Mediathek, Live-Stream und Social-Media-Auftritten an die digitalen Nutzergewohnheiten angepasst.
Fazit
Das Erste ist weit mehr als nur ein Fernsehkanal: Es ist das Gemeinschaftswerk neun deutscher Rundfunkanstalten mit einer Geschichte, die bis in die Anfänge des Fernsehens in Deutschland zurückreicht. Wer den Sender empfangen möchte, hat dafür heute viele Möglichkeiten – vom klassischen Antennenempfang bis zum Live-Stream auf dem Smartphone. Wer eine Sendung verpasst hat, findet sie in der ARD Mediathek, die das lineare Programm flexibel ergänzt. Mit seiner Mischung aus verlässlichen Nachrichten, beliebten Formaten wie dem Tatort und einem breiten kulturellen Angebot bleibt Das Erste ein zentraler Bestandteil der deutschen Fernsehlandschaft.