Warum Rainhard Fendrich live immer noch ein Erlebnis ist

Es gibt Musiker, deren Songs derart tief im kollektiven Gedächtnis einer Nation verankert sind, dass man sie nicht mehr aus dem kulturellen Alltag herauslösen kann. In Österreich ist Rainhard Fendrich eine solche Institution. Wenn man heute von einem „Fendrich-Konzert“ spricht, meint man damit selten nur den bloßen Akt des Musikhörens. Es geht um ein Wiedersehen mit einer Stimme, die man zu kennen glaubt wie die eines alten Freundes, auch wenn man ihn persönlich noch nie getroffen hat.
Wer sich heute Abend in eine Halle begibt, um ihn zu erleben, der weiß meistens, was er bekommt – und ist trotzdem jedes Mal aufs Neue überrascht. Das ist das Besondere an einem Künstler, der sich seit Jahrzehnten auf der Bühne behauptet. Es ist nicht mehr der reine Unterhaltungswille der Anfangstage, auch wenn der Humor geblieben ist. Heute ist es vielmehr die Mischung aus profundem Songwriting und einer Bühnenpräsenz, die durch die Erfahrung eine gewisse Leichtigkeit gewonnen hat.
Die Erwartungshaltung an ein Konzert von Rainhard Fendrich heute ist oft zweigeteilt. Da sind die Einen, die „Es lebe der Sport“ oder „Macho Macho“ hören wollen, die Hymnen, die in den 80ern und 90ern ganze Generationen geprägt haben. Diese Songs haben eine Energie, die auch nach Jahrzehnten nicht verblasst ist. Wenn die ersten Akkorde von „Es lebe der Sport“ einsetzen, passiert in den Hallen etwas Physisches: Die Leute stehen auf, die Stimmung kippt von der entspannten Erwartung in pure Euphorie. Das ist fast schon ein Ritual.
Doch wer Fendrich nur auf diese Party-Hits reduziert, verkennt den Kern des Künstlers. Neben dem Entertainer steht der sensible Lyriker. Songs wie „I am from Austria“ sind längst mehr als nur Popsongs; sie sind zu einer Art inoffizieller Nationalhymne geworden, die auch Menschen berührt, die sich sonst nicht unbedingt als patriotisch bezeichnen würden. Wenn Fendrich diesen Song heute spielt, dann nicht mit aufgesetztem Pathos, sondern mit einer verhaltenen Würde, die den Zuhörern den Atem anhalten lässt. Man spürt in diesen Momenten, dass die Verbindung zwischen dem Künstler auf der Bühne und dem Publikum im Saal fast schon intim wird, trotz der tausenden von Menschen.
Was ein Fendrich-Konzert heute besonders macht, ist die Professionalität im Zusammenspiel mit der Unmittelbarkeit. Die Band ist eingespielt, der Sound sitzt, doch es gibt immer Raum für Improvisation. Fendrich ist bekannt dafür, mit dem Publikum zu interagieren, kleine Geschichten zu erzählen oder spontan auf die Stimmung im Raum zu reagieren. Das macht den Abend lebendig. Es fühlt sich nicht an wie eine abgespielte Show, sondern wie ein gemeinsames Erlebnis, das genau in diesem Moment und an diesem Ort entsteht.
Man darf auch nicht vergessen, dass die Texte von Rainhard Fendrich eine Qualität haben, die man in der deutschsprachigen Popmusik selten findet. Sie sind melancholisch und witzig zugleich, sie handeln von den großen Themen des Lebens – Liebe, Verlust, Zweifel –, tun dies aber oft mit einer lakonischen Wiener Art, die das Schwere leicht erscheinen lässt. Wer heute in der ersten Reihe steht, erlebt vielleicht den einen oder anderen Song neu, hört eine Nuance in der Stimme, die man auf der Platte überhört hat.
Ein Konzertbesuch bei Rainhard Fendrich heute ist somit auch ein Akt der Dankbarkeit. Dankbarkeit dafür, dass ein Künstler, der eigentlich alles erreicht hat, was man in der Branche erreichen kann, weiterhin auf Tour geht. Er könnte sich längst zurücklehnen und von den Tantiemen leben. Doch er steht auf der Bühne, weil er es liebt, weil er die Energie des Publikums braucht und weil die Musik offenbar noch immer ein Ventil für ihn ist. Das spürt man. Es ist diese Authentizität, die selbst diejenigen überzeugt, die vielleicht nicht jeden Song auswendig kennen.
Für die, die heute Abend hingehen, ist es mehr als nur ein Ausflug. Es ist eine Erinnerung an die eigene Jugend für die einen und die Entdeckung eines zeitlosen Entertainers für die anderen. In einer Zeit, in der Konzerte oft von riesigen visuellen Effekten und Playback dominiert werden, wirkt ein Fendrich-Auftritt fast schon erfrischend ehrlich. Es sind die Musiker, ihre Instrumente und die Stimme eines Mannes, der weiß, wie man ein Publikum in den Bann zieht. Und genau das macht ihn, auch heute, noch immer unverzichtbar.

Source: HotArticle

Original link: https://www.hotarticle24.com/n1ioj34r

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