Es gibt Alpenstraßen, die schon beim ersten Blick das Adrenalin anwerfen: schmale Bänder, senkrechte Wände, Kehren wie mit dem Lineal gezogen. Die Nockalmstraße in Kärnten gehört nicht dazu. Und genau deshalb wird sie oft unterschätzt – zu Unrecht.
Zwischen Innerkrems und Ebene Reichenau schlängelt sich die Mautstraße über rund 35 Kilometer durch die Nockberge. 52 Kehren sind keine Kleinigkeit, aber sie wirken hier nicht wie ein Hindernis, sondern wie eine Einladung, den Rhythmus zu drosseln. Die Berge rund um die Straße haben keine schroffen Gipfel, sondern weiche, grasbewachsene Kuppen. Diese sanften Formen geben der Landschaft eine Ruhe, die man auf anderen Passstraßen selten findet.
Die Straße wurde in den 1970er-Jahren gebaut, um die Region zu erschließen. Seit 2012 ist das Gebiet Teil des UNESCO-Biosphärenparks Salzburger Lungau und Kärntner Nockberge – ein Status, der die besondere Verbindung aus Kulturlandschaft und Natur schützt. Die Nockberge bestehen nicht aus scharfem Kalk, sondern aus alten Gesteinen, die über Jahrmillionen zu flachen Hängen geschliffen wurden. Genau dieses Relief macht die Fahrt so entspannt: Man kurvt nicht an Abgründen entlang, sondern gleitet durch offene Almlandschaften.
Das Besondere passiert bei den Pausen. Wer an der Grundalm oder am Nockalmhof hält, merkt schnell: Hier geht es nicht um möglichst schnelles Durchfahren, sondern um Aussicht, Weideflächen und die Stille, die sich einstellt, sobald der Motor aus ist. Ein kurzer Stopp in Karlbad zeigt, wie sehr die Straße mit der regionalen Geschichte verbunden ist – eine Mineralquelle machte den Ort einst zu einem bescheidenen Ziel für Kurgäste. Wer etwas weiter fährt, erreicht an der Schiestelscharte den höchsten Punkt der Strecke auf rund 2.000 Metern. Von dort führen kurze Wege auf die umliegenden Kuppen; der Blick reicht über die sanften Wellen der Nockberge.
Für die Fahrt selbst gilt: Die Mautstraße ist nur von etwa Anfang Mai bis Ende Oktober geöffnet, je nach Wetter. Im Winter wird die Strecke nicht geräumt. Die Mautgebühr ist moderat und gilt für beliebig viele Stopps auf der gesamten Strecke. Wer mit Wohnmobil oder Anhänger unterwegs ist, sollte sich vorab über die aktuellen Bestimmungen informieren, da manche Passagen eng sind. Die Kehren sind weit genug für Pkw, aber steile Rampen erfordern ein aufmerksames Auge auf die Motortemperatur. Wer bergab fährt, entlastet die Bremse am besten mit niedrigen Gängen.
Die Nockalmstraße ist keine Strecke, die man mit Durchschnittsgeschwindigkeit abhakt. Sie ist eher ein langsames Versprechen: Wer sich Zeit nimmt, bekommt eine der ruhigsten Berglandschaften Österreichs zu sehen. In einer Zeit, in der viele Alpenpässe zum Freizeitrennen werden, ist das eine Erleichterung.
Die Nockalmstraße ist kein Ort zum Rasen. Zum Glück.
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