FIFA-Präsident: Der umstrittenste Job im Weltfußball

Wenn am Dienstagabend die Sportschau läuft und die Bundesliga-Zusammenfassung beginnt, denken die wenigsten daran, wer in Zürich gerade die Strippen zieht. Und doch entscheidet dieser eine Mann mit über 400 nationalen Verbänden im Rücken darüber, wo die nächste WM stattfindet, wie viel Geld an die Klubs fließt und ob die Video-Assistenten am Ende Recht behalten. Der FIFA-Präsident ist nicht einfach der Chef eines Sportverbandes – er ist der mächtigste Fußballfunktionär der Welt. Und vielleicht auch der am heftigsten diskutierte.

Ein Amt zwischen Pomp und Prüfstein

Die Geschichte des FIFA-Präsidenten ist eine Geschichte voller Kontraste. Sie beginnt 1904 mit dem Franzosen Robert Guérin, der den Weltverband mitgründete, und führt über Persönlichkeiten wie Jules Rimet (Namensgeber der ersten Weltmeisterschaft) bis in die Gegenwart. Doch während die Anfänge noch von idealistischem Internationalismus geprägt waren, hat sich das Amt längst zu einem politischen und wirtschaftlichen Schwergewicht entwickelt.
Der aktuelle Amtsinhaber Gianni Infantino, seit 2016 im Amt, verkörpert diesen Wandel wie kein anderer. Der gebürtige Schweizer mit italienischen Wurzeln übernahm nach dem Sturz von Sepp Blatter – eine Zäsur, die den Verband erschütterte. Plötzlich stand die FIFA nicht mehr nur für Fußball, sondern für Korruptionsermittlungen, geheime Zahlungen und undurchsichtige Vergabeprozesse. Infantinos Versprechen: Transparenz, Reformen, ein Neuanfang. Ob er dieses Versprechen eingelöst hat? Die Meinungen gehen weit auseinander.

Macht, Geld und Weltmeisterschaften

Was macht ein FIFA-Präsident eigentlich konkret? Er leitet die Exekutivsitzungen, vertritt den Verband nach außen, hält Reden vor den Vereinten Nationen und trifft sich mit Staatschefs. Aber das eigentliche Geschäft sind die Milliarden, die durch den Fußball fließen. Die Vergabe der Weltmeisterschaften ist das sichtbarste Symbol dieser Macht. Wer die WM bekommt, hat nicht nur sportliches Prestige, sondern auch immense wirtschaftliche Chancen.
Infantino hat die Zahl der Teilnehmer bei der WM von 32 auf 48 erhöht – ein Schritt, der kleinen Verbänden mehr Teilhabe ermöglicht, aber auch den Turnierkalender weiter aufbläht. Seine Vision: Der Fußball soll globaler werden, auch wenn dafür manche Traditionen aufgeweicht werden. Kritiker werfen ihm vor, die Kommerzialisierung voranzutreiben und sich zu sehr auf die Zusammenarbeit mit autoritären Regimen einzulassen – etwa bei der WM 2022 in Katar oder der geplanten WM 2034 in Saudi-Arabien. Befürworter sehen darin pragmatische Realpolitik: Ohne diese Länder und ihre Investitionen wäre der Weltfußball nicht mehr finanzierbar.

Ein einsamer Job im Blätterwald

Das Amt hat auch eine menschliche Seite, die oft übersehen wird. FIFA-Präsidenten sind permanent im Fokus. Jede Aussage wird seziert, jede Entscheidung juristisch geprüft. Sepp Blatter, der über 17 Jahre regierte, endete mit einem Skandal, der ihn fast ins Gefängnis brachte. Infantino selbst sieht sich regelmäßig mit Anschuldigungen konfrontiert – von undurchsichtigen Gehaltszahlungen bis hin zu Ermittlungen der Schweizer Justiz. Bislang hielten sich die Vorwürfe nicht, aber der Schatten bleibt.
Die Frage ist: Will man diesen Job überhaupt? Infantino scheint ihn zu wollen, und zwar mit ganzer Leidenschaft. Er reist unermüdlich um die Welt, besucht kleine Fußballverbände in entlegenen Regionen und kämpft für sein Bild eines globalen Fußballs. Gleichzeitig tritt er oft staatsmännisch auf – eine Rolle, die ihm nicht jeder abnimmt.

Wohin steuert der Weltfußball?

Der nächste FIFA-Präsident wird 2025 oder 2026 gewählt – genauer Termin ist noch offen. Infantino strebt offenbar eine dritte Amtszeit an, obwohl die Statuten eine Begrenzung vorsehen. Mit einer Reform könnte er weitermachen. Die Opposition ist schwach, die Unterstützung der kleinen Verbände groß. Denn sie profitieren von den Millionen, die Infantino verteilt – jede Nation bekommt jährlich mehrere Millionen Dollar für die Entwicklung.
Doch das System hat Risse. Die Europäische Fußball-Union (UEFA) unter Aleksander Čeferin zeigt sich zunehmend skeptisch. Auch Spielergewerkschaften und Reformgruppen fordern mehr Transparenz. Die Diskussion um eine unabhängige Ethikkommission, die auch den FIFA-Präsidenten kontrollieren kann, ist nicht verstummt.
Vielleicht ist die wichtigste Erkenntnis diese: Der FIFA-Präsident ist kein gewöhnlicher Verbandschef. Er sitzt an der Schnittstelle von Sport, Politik und Wirtschaft – und muss ständig balancieren. Zwischen Profit und Fairness, zwischen Tradition und Moderne, zwischen mächtigen Klubs und kleinen Nationalverbänden. Dass dieser Job unpopulär ist, liegt in der Natur der Sache. Wer es allen recht macht, macht es am Ende niemandem recht.
Und dennoch: Ohne den FIFA-Präsidenten wäre der Weltfußball ein anderes Spiel. Vielleicht chaotischer, vielleicht gerechter. Man weiß es nicht genau. Aber eines ist sicher: Das Amt wird auch in Zukunft für Diskussionen sorgen. Solange es Milliarden umverteilt und WM-Endrunden vergibt, bleibt es der wahrscheinlich spannendste Chefposten im globalen Sport.

Source: HotArticle

Original link: https://www.hotarticle24.com/5ipoiqj6

Recommended For You

Auckland Is Best Experienced at the Edges

Auckland can feel confusing at first. It is a large, spread-out city with several names for places that sound interchang...

2026-09-15 6 views
Josh Jacobs: The Complete Journey of the NFL Star Running Back

Josh Jacobs has become one of the most recognizable running backs in the National Football League. Known for his punishi...

2026-08-30 6 views
Alex Eala Schedule: How to Track Her Matches, Tournaments, and Match Times

Few athletes have put Philippine tennis on the map quite like Alex Eala. Since her breakthrough run at the 2025 Miami Op...

2026-09-09 5 views
Internacional x Santos: o que buscar antes, durante e depois do confronto

Quando algum pesquisa “internacional - santos”, a inteno costuma ser bem direta: encontrar informaes sobre o jogo entr...

2026-09-12 16 views
Politie begint niet bij de sirene, maar bij vertrouwen

De meeste mensen spreken de politie pas wanneer er iets mis is. Een fietsdiefstal, een burenruzie die uit de hand loopt,...

2026-09-15 6 views