Wer durch die Südoststeiermark fährt, merkt schnell, dass diese Landschaft nicht von spektakulären Gipfeln lebt. Ihre Wirkung entsteht leiser: aus kurvigen Straßen, bewaldeten Kuppen, Weingärten, kleinen Städten und Feldern, die sich über die Hügellandschaft ziehen. Hinter jeder Biegung verändert sich der Blick – und gerade diese langsame Abwechslung macht den Reiz der Region aus.
Die Südoststeiermark liegt im Südosten des österreichischen Bundeslands Steiermark. Der politische Bezirk entstand 2013 aus den früheren Bezirken Feldbach und Radkersburg. Feldbach ist heute Bezirkshauptstadt, während Bad Radkersburg, Fehring und Mureck zu den bekannten Städten der Region zählen. Im Süden grenzt die Südoststeiermark an Slowenien; auch die Nähe zum Burgenland prägt ihre Lage und ihre kulturellen Verbindungen.
Eine Landschaft ohne große Gesten
Die Region wird häufig mit dem Steirischen Vulkanland verbunden. Der Name klingt spektakulär, bedeutet aber nicht, dass hier aktive Vulkane zu finden wären. Gemeint ist eine Landschaft, deren Untergrund von früherem Vulkanismus geprägt wurde. Basaltkuppen, fruchtbare Böden und sanfte Höhenzüge geben der Gegend ihren charakteristischen Aufbau.
Für Besucher zeigt sich diese Geologie vor allem in der Landschaft. Die Straßen führen selten lange geradeaus. Sie steigen an, fallen wieder ab und öffnen den Blick auf einzelne Weiler, Obstgärten oder Weinhänge. Besonders im Frühling und Herbst verändert sich die Szenerie stark: Im Frühling leuchten die Obstbäume, im Herbst liegen warme Farben über den Hügeln.
Die Südoststeiermark ist deshalb ein gutes Ziel für Menschen, die nicht jede Stunde mit einem Programmpunkt füllen möchten. Wandern, Radfahren oder eine Fahrt durch die Dörfer können hier bereits den eigentlichen Aufenthalt ausmachen.
Wein, Apfel und Kürbis – aber nicht nur als Souvenirs
Die regionale Küche gehört zu den bekanntesten Gründen für einen Besuch. Kürbiskernöl, Äpfel, Käse, Wein und saisonale Produkte sind feste Bestandteile der kulinarischen Identität. Das grüne Kürbiskernöl wird oft als „grünes Gold“ der Steiermark bezeichnet – ein Ausdruck, der zwar werblich klingt, aber seine Verbreitung in der regionalen Küche erklärt: Es verfeinert Salate, Suppen und viele einfache Gerichte mit einem kräftigen, nussigen Geschmack.
Auch der Weinbau spielt eine wichtige Rolle. Die Südoststeiermark ist kein Weinbaugebiet, das sich ausschließlich über große Weingüter und bekannte Namen definiert. Vieles findet im kleineren Maßstab statt: Buschenschänken, Familienbetriebe und regionale Produzenten laden dazu ein, Wein und Speisen direkt vor Ort kennenzulernen.
Gerade darin liegt ein Unterschied zwischen einem rein gastronomischen Ausflug und einem Aufenthalt in der Region. Essen wird nicht nur serviert, sondern steht oft in Verbindung mit Landschaft, Jahreszeit und Landwirtschaft. Eine Jause in einer Buschenschank erzählt deshalb auch etwas über die Gegend, aus der die Produkte stammen.
Feldbach und Bad Radkersburg als unterschiedliche Ankerpunkte
Feldbach ist das wirtschaftliche und administrative Zentrum der Region. Die Stadt eignet sich als Ausgangspunkt, wenn man die umliegenden Hügel, Weinstraßen und kleineren Gemeinden erkunden möchte. Ihr Umfeld vermittelt den Übergang zwischen städtischer Infrastruktur und ländlicher Landschaft besonders deutlich.
Bad Radkersburg hat einen anderen Charakter. Die historische Stadt an der Mur ist für ihre Altstadt und ihre Thermen bekannt. Die gut erhaltenen Fassaden, Plätze und engen Gassen geben dem Ort eine Atmosphäre, die sich deutlich von den verstreuten Siedlungsformen der Hügellandschaft unterscheidet. Dazu kommt die Nähe zu Slowenien, die der Stadt eine grenzüberschreitende Perspektive gibt.
Die Therme ist dabei mehr als ein Schlechtwetterprogramm. Für viele Gäste ist sie der Mittelpunkt eines Aufenthalts, der Erholung, Spaziergänge und regionale Küche miteinander verbindet. Wer die Südoststeiermark nur als Thermenregion betrachtet, verpasst allerdings den landschaftlichen Teil der Reise. Umgekehrt lässt sich ein Wandertag bei einem Aufenthalt in Bad Radkersburg gut mit Ruhe und Wärme ausklingen.
Eine Region für langsames Reisen
Die Südoststeiermark eignet sich besonders für eine Reise, bei der nicht möglichst viele Sehenswürdigkeiten abgehakt werden sollen. Ein Tag kann mit einer Wanderung beginnen, über einen Marktbesuch oder eine Verkostung führen und in einem Gasthaus oder einer Buschenschank enden. Am nächsten Tag locken eine Radtour, ein Ausflug nach Bad Radkersburg oder ein Abstecher in die umliegenden Weinbauorte.
Für die Planung lohnt es sich, die Jahreszeit zu berücksichtigen. Im Sommer sind Rad- und Wandertouren angenehm, allerdings können schattige Pausen und ein moderates Tempo wichtig sein. Der Herbst verbindet Weinlese, klare Sicht und intensive Farben. Im Winter ist die Region ruhiger; Thermen, regionale Küche und Spaziergänge durch die Städte stehen dann stärker im Vordergrund.
Wer ohne Auto unterwegs ist, sollte die Route genauer planen als in größeren Tourismusregionen. Zwischen einzelnen Dörfern und Ausflugszielen bestehen nicht überall kurze oder regelmäßige Verbindungen. Mit dem Fahrrad, einem geliehenen Fahrzeug oder einer gut abgestimmten Kombination aus Bahn und Bus lässt sich die Gegend jedoch erschließen.
Was von der Südoststeiermark bleibt
Die Südoststeiermark beeindruckt nicht unbedingt beim ersten Blick. Sie verlangt Aufmerksamkeit für kleinere Dinge: eine Aussicht hinter einer Kurve, den Geruch eines Obstgartens, eine alte Hausfassade, ein Gespräch bei einer Jause oder die Ruhe eines Hügels am späten Nachmittag.
Genau deshalb ist sie für viele Reisende mehr als ein Zwischenstopp auf dem Weg in den Süden. Die Region verbindet Natur, Landwirtschaft, Geschichte und Erholung, ohne daraus ein künstliches Erlebnis machen zu müssen. Ihre Stärke liegt in der Nähe zum Alltag – und in der besonderen Art, wie dieser Alltag hier von Landschaft und regionaler Kultur geprägt ist.