Wer mit der S-Bahn von St. Gallen Richtung Rorschach fährt, kennt das Gefühl: Eine Station gleitet vorbei, dann die nächste. Goldach ist oft so eine Station. Viele kennen den Namen vom Wochenmarkt oder von der Haltestelle, doch wenige nehmen sich die Zeit, den Ort wirklich wahrzunehmen. Dabei erzählt diese Gemeinde am Rand des Rheintals eine ziemlich typische, aber auch sehr eigene Geschichte über das Leben in der Schweiz fernab der Grossstädte.
Goldach liegt nicht weit vom Bodensee entfernt, eingebettet in eine Landschaft, die von Wiesen, alten Baustrukturen und der Nähe zum Fluss geprägt ist. Es ist kein Ort, der mit Schlagzeilen um Aufmerksamkeit buhlt. Stattdessen funktioniert hier vieles durch eine stille Übereinkunft: Man lebt gut, man arbeitet in der Region, und man schätzt die kurzen Wege.
In den letzten Jahren hat sich der Charakter vieler Schweizer Vorortsgemeinden verschoben. Goldach bildet da keine Ausnahme. Die Nähe zu St. Gallen zieht Pendler an, die Ruhe suchen, aber die Anbindung nicht missen wollen. Das führt zu einer interessanten Mischung. Auf der einen Seite gibt es den Kern, der sich um den alten Dorfteil gruppiert. Auf der anderen Seite wachsen Wohnquartiere, in denen Familien aus der Stadt einen Platz zum Wurzeln suchen.
Was dabei auffällt, ist die Selbstverständlichkeit, mit der Natur hier Teil des Alltags bleibt. Ein Spaziergang Richtung Rheindamm ist kein Ausflug, sondern eine Möglichkeit, die der Ort seinen Bewohnern einfach anbietet. Es braucht kein Marketing für Erholung, weil die Erholung zwischen den Terminen einfach da ist.
Gleichzeitig darf man die Realität nicht beschönigen. Eine Gemeinde wie Goldach steht vor denselben Fragen wie viele andere: Wie bleibt man bezahlbar? Wie gelingt das Zusammenleben neuer Bewohner mit langjährigen Einheimischen, ohne dass das Gefühl für das Gewohnte verloren geht? Die Debatten in der Lokalpolitik mögen auf Aussenstehende kleinteilig wirken, doch sie entscheiden über die Qualität des Wohnens.
Vielleicht ist genau das der Wert solcher Orte. Nicht das Spektakuläre, sondern das Funktionierende. Goldach zeigt, dass Fortschritt nicht immer laut sein muss. Er kann auch bedeuten, dass der Bus pünktlich fährt, der Laden um die Ecke ist und der Blick auf die Hügel am Morgen dazugehört.
Wenn wir also das nächste Mal an Goldach vorbeifahren, lohnt es sich, den Zug nicht nur als Transportmittel zu sehen. Er ist eine Linse. Durch sie betrachtet wird aus einer Durchgangsstation ein lebendiger Teil der Schweizer Realität.
Zwischen Rhein und S-Bahn: Was Goldach über das Leben abseits der Metropolen erzählt
Source: HotArticle
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